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Crew

Regie, Montage

Jana Stallein

Romina Schade

Produktion, Farbkorrektur

Kamera

Karsten Jäger

Tongestaltung

Johann Ott

Regiekommentar

Der Wunsch, meinen Bachelor-Abschluss mit einem Projekt umzusetzen, welches sich mit der Integrationsproblematik beschäftigt, festigte sich in mir, als ich Anfang des Jahres auf einem Schiff der Organisation Sea-Eye Teil einer Seenotrettung war. Als ich von der Mission zurückkam und meinen Eltern von dem Erlebten erzählte, stieß ich nicht direkt auf Verständnis.

 

Das lag nicht daran, das meine Eltern Fremdenfeindlich sind, sondern daran, dass sie von negativen Berichten in den Medien geprägt sind und ihnen der persönliche Zugang zu der Thematik fehlt. Durch die Fotos, die ich ihnen zeigte und die Geschichten, die ich ihnen erzählte, wuchs ihr Verständnis sogar soweit, dass sie Verwandten und Freunden davon erzählten und sich danach sogar die Zeitung unseres Dorfes bei mir meldete, um einen Bericht über die Seenotrettung zu veröffentlichen. Meine Eltern sind zwar keine Politiker, die die Situation in größerer Dimension ändern könnten, aber dank des Teilens meiner persönlichen Erlebnisse leisten sie nun Aufklärungsarbeit.

 

Die Einwohner Morias rückten in der Panik um den Coronavirus immer mehr in den Hintergrund, weswegen wir uns dazu entschieden, schnell zu handeln und genau diese Zeit zu nutzen, um ihnen wieder eine Stimme zu verleihen. Nach nur einem Monat Planung ging es los. Womit ich nicht rechnete, als ich das erste Mal das Lager betrat, war die Offenheit der Menschen und ihre Bereitschaft, über ihre Schicksale zu sprechen.

 

Das hängt bestimmt auch damit zusammen, dass Filmteams im Alltag der Bewohner Morias keine Besonderheit sind. Trotzdem schien es mir, als gäbe jede Kamera hier Anlass zur Hoffnung auf Verbesserung. Dieser Verantwortung, die mit jeder einzelnen Geschichte wuchs, konnte ich oft nur mit kleinen Gefallen nachkommen. Nie konnte ich aber die Gesamtsituation des Einzelnen nachhaltig verändern. Besonders der Abschied nach meinem einmonatigen Aufenthalt auf der Insel fiel mir schwer, denn die Ungerechtigkeit, die an diesem Ort vorherrscht, wurde besonders dann klar, als ich ohne Probleme das Land verlassen konnte, während 15.000 zurückbleiben mussten. 

 

Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, sehe ich meine Aufgabe im Prozess, den Film fertigzustellen, so viele Menschen wie möglich zu involvieren, damit mehr und mehr davon erfahren und darüber sprechen. Ich möchte einen Weg finden, die Problematik zugänglicher zu machen und somit Verständnis für das komplexe Problem generieren. Bis sich in Moria nichts ändert, sollten weiter Filme darüber gemacht werden, damit dieser Ort bloß nicht in Vergessenheit gerät.

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